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Apr 292014
 

Sehr geehrter Präsident,

ich bin ca. 25 Jahre aktiver Schachspieler und war 11 Jahre Vorsitzender des Schachclubs Bad Nauheim (bis März 2014).

Ausgangsituation:

Die folgenden Ausführungen sind keine Vorwürfe an Vereine oder Personen, die lediglich innerhalb der Regeln agieren.
Es soll nur sachlich die Ausgangssituation geschildert werden. Die Hessenliga sei nur beispielhaft genannt, ähnliche Beobachtungen gibt es in vielen anderen Klassen auch.
In der abgelaufenen Hessenligasaison starteten 2-3 Mannschaften mit zum Teil extrem wechselnden Spielstärken.
Zwei davon haben eine Reihe von Spielern aus dem Ausland auf Ihren Listen an, die sie mal einsetzen, mal nicht.
So traten sie teilweise mit Mannschaften mit guter Oberligastärke an, ein anderes Mal war das Niveau eher auf der Ebene Kreisliga anzusiedeln.
Ist der Klassenerhalt geschafft, dann wird weniger Geld investiert und die Gegner bekommen leichte Punkte.
Schon in der Vorsaison hat eine Mannschaft viermal mit Meister-Hilfe gewonnen und die anderen fünf Mannschaftskämpfen mit den „normalen“ Mitgliedern bestritten und davon mindestens vier mal relativ schnell ein 4:4 angeboten.
Da fragt man sich natürlich, ob diese überhaupt noch gerne Schach spielen.
Ähnlich aber zumeist nicht ganz so krass ist es häufig bei zweiten Mannschaften, bei denen sich 1-2 Spieler, aber auch schon mal 4-5 Spieler nach der Hälfte der Saison festgespielt haben.
Daraus resultiert eine starke Wettbewerbszerrung, vor allem wenn dies 3 von 9 Mannschaftskämpfen betrifft.

Diese Situation verärgert viele Schachspieler !

Doppelspielberechtigungen, Aufhebung der Festspielregelung:
Die Doppelspielberechtigungen in verschiedenen Landesverbänden oder gar Bezirken wird dieses Problem weiter verschärfen !
An den Grenzen von Bundesländern oder Bezirken könnten dann kostengünstig Allianzen gebildet werden, die den beliebigen Einsatz je nach Tabellenbedarf erlauben.
Ebenso ist die Idee absurd, dass eine Aufhebung der Festspielregelung einen Sinn ergibt.
Durch diese Maßnahmen gibt es vielleicht mehr Mannschaften, aber nicht mehr Schachspieler !

Lösungsvorschlag
Mein Vorschlag abgeleitet von den noch wesentlich strengeren Regelungen aus dem Tischtennissport lautet
Variante 1: (einfachste Form)
Jede Mannschaft besteht aus mindestens 8 Spielern bei 8er-Mannschaften (oder mindestens 6 Spielern bei 6er-Mannschaften, der Einfachheit halber gehe ich im Folgenden von 8 aus).
Der Verein kann jedoch weitere Spieler für diese Mannschaft nominieren, so dass z.B. die 1. Mannschaft mit 10 Spielern aufgestellt ist (Maximalzahl 16).
Die Spieler haben die Positionen 1.1 bis 1.10 diese Spieler dürfen nicht in unteren Mannschaften mitspielen.
Ebenso die zweite Mannschaft von 2.1. bis 2.x.
Ein Spieler der zweiten Mannschaft darf maximal 3 mal Ersatz spielen. Ein viertes Mal ist grundsätzlich nicht möglich; es gibt daher auch kein Festspielen.
Auf diese Weise müssen sich die Vereine vor der Saison überlegen, wen Sie wo aufstellen, um die Saison zu bestreiten.
Wenn der Beste aus der 2. Mannschaft dreimal gespielt hat, dann kann eben nur noch der nächstbeste spielen !
(eine Ausnahme könnte man auf Antrag beim Klassenleiter (mit Attest) beantragen, wenn ein Spieler der 1. Mannschaft dauerhaft erkrankt ist; dann kann ein Spieler der 2. Mannschaft auf 1.11. aufrücken)

So ein System müsste deutschlandweit eingeführt werden, um die gleichen Chancen überall zu gewährleisten und wäre nicht besonders formalistisch.

Dazu könnte es weitere Ergänzungen geben, von denen ich nur eine mal aufführe:
Spielt ein Spieler nur 0, 1 oder 2 Spiele in einer Saison, so trägt er in der nächsten Saison nicht zur Sollspielstärke bei, d.h. wenn die Mannschaft mit nur 8 Spielern aufgestellt ist, dann muss ein Neunter gemeldet werden.
(Ausnahme ggf. Krankheit des Spielers in der Vorsaison).

Es gibt da noch weitere Ideen (angelehnt an die sehr strengen Regeln beim Tischtennis), aber man muss ja nicht gleich so weit gehen.

Strohmannregelungen werden zumindest erschwert.

Möglicherweise gibt es dadurch weniger Mannschaften, aber mehr Fairness und weniger Ärger.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Willems, SC Bad Nauheim

 

  Eine Antwort zu “Offener Brief an den Präsidenten des Deutschen Schachbundes”

  1. Ein schöner Brief mit sehr konstruktiven Vorschlägen! Würde ich auch mal an die Rochade schicken. Ich sehe alles genauso und glaube auch nicht, dass das Problem unlösbar ist. Man muss sich eben nur (wie Du) Gedanken machen! Nochmals Glückwunsch zum ehrlich erkämpften Klassenerhalt, Mannschaften wie Eure haben es verdient.

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